Eindrücke: Bodensee im Mai, Teil 8: Pfahlbauten in Unteruhldingen

Dienstag, 28. Mai 2013

Bodensee im Mai, Teil 8: Pfahlbauten in Unteruhldingen



GoogleMaps

Heute also ein Besuch in Unteruhldingen. Dort gibt es nämlich etwas Außergewöhnliches zu sehen. Und das ist es auch, was mich immer wieder dort Halt machen lässt: das Pfahlbaumuseum und die Reste der Pfahlbauten im See, die seit 2011 zum Weltkulturerbe der UNESCO zählen.
Hier auf meinem Blog gibt es schon einen Bericht über Unteruhldingen und die Pfahlbauten. Dieser hier soll jetzt eine Ergänzung dazu sein. Mit einem Klick auf das Bild kommt ihr also zum ersten Teil, dann könnt ihr nachschauen, wovon ich jetzt eigentlich rede.




Das Pfahlbaumuseum wird mit viel Engagement von einem privaten Verein geführt. Es finanziert sich aus den Eintrittsgeldern, Spenden und dem Verkauf von Büchern, Postkarten, DVD's etc. Inzwischen haben sie auch einen Online-Shop. Der Link zur Seite des Pfahlbaumuseums ist HIER.


Wallfahrtskirche Birnau und unten am Ufer: Schloss Maurach


Am Hafen, direkt neben dem Pfahlbaumuseum wurden Informationsstände zur Geschichte der Pfahlbauten eingerichtet. Einerseits Informationen auf Touchscreens, die aber je nach Sonneneinstrahlung schwierig zu lesen sind. Einfacher sind da die klassischen "Ringbücher", die auf Steinblöcken befestigt sind.
Hier mal ein paar Beispiele und ein paar Informationen, die auf den Tafeln ausführlich aufgeschrieben und illustriert sind.


Siedlungen der Früh- und Mittelbronzezeit um 1600 bis 1500 v. Chr. Leider liegen große Teile dieser Siedlung unter der jetzigen Hafenmole.
Unten links ist ein Bronzebeil abgebildet, das als Arbeitsbeil und als Waffe diente.



Hier werden die Funde im See lokalisiert: Jungsteinzeit (3800, 2900 und 2650 v. Chr.; lachsfarbene Fläche), Früh- und Mittelbronzezeit (1600 und 1500 v. Chr.), Spätbronzezeit (gelbe Fläche). Wobei die Spätbronzezeit ja eigentlich erst ab 1300 v. Chr. begann (Druckfehler auf der Tafel? Andere Zählung?).

Insgesamt stecken 50 000 bis 100 000 Pfähle im Seegrund!




Ein Taucher bei der Vermessung von Pfählen auf dem Seegrund. So kann an Land der Dorfplan gezeichnet werden und eventuell Teile daraus aufgebaut werden.



Eine Luftbildaufnahme vom Seegrund: sie zeigt einerseits links Pfahlreihen von Häusern und rechts (Pfeile) Palisaden, die rund um das Dorf errichtet waren.



Diese Funde aus der späten Bronzezeit zeigen Gewandschließen und Haarschmuck.

Geht man jetzt vom Hafen wieder zurück in den Ort...



Kapelle St. Quirinius (stammt aus dem Jahr 1505)

... trifft man auf sogenannte Zeittafeln. Auf einer Strecke von ca. 2 km Länge wird die Geschichte des Ortes und der Pfahlbauten erzählt:

Und die Geschichte beginnt vor ca. 10000 Jahren in der Mittelsteinzeit, also unmittelbar nach der letzten Eiszeit. Es gibt Belege, dass Steinzeitmenschen bereits zu der Zeit am Bodenseeufer Freilandlager aufgeschlagen haben. Man fand an verschiedenen Rastplätzen Feuersteinwerkzeuge.

Vor über 6000 Jahren wurde der See von den ersten Menschen als Siedlungsgelände entdeckt. Es entstanden feste Siedlungen mit Häusern auf Pfählen. Das Seeufer und die Seefelder Aachniederung (= Deltamündung des Flusses Aach), wurde für Viehhaltung und Ackerbau genutzt. Es gab bereits einen regen Handel mit Beilen, Perlen, Feuerstein und später auch mit Metallen wie Kupfer.




Vor 3000 Jahren gab es vor Unteruhldingen und vor Maurach große Bronzezeitdörfer mit über 80 Häusern und mit 400 - 500 Einwohnern.
 


Auf der Tafel oben ist ein Bronzezeitdorf (975 - 967 v. Chr.) dargestellt. der umrandete Teil des Dorfes ist im Museum nachgebaut worden (siehe ebenfalls im ersten Teil dieses Berichts).


Im 11. Jahrhundert n. Chr., also vor ca. 1000 Jahren, wird Uhldingen erstmals urkundlich erwähnt. Man geht davon aus, dass zu der Zeit auch bereits eine Verbindung über den See zum südlichen Ufer bestanden haben muss. Ein Ausschnitt aus der Züricher Wappenrolle aus dem 14. Jahrhundert zeigt ein Boot mit zwei Rudern (Riemen):




Oben eine Luftaufnahme des Museums aus dem Jahre 1939.

Das ist jetzt natürlich nur ein kleiner Ausschnitt aus der Zeitreise, die man entlang der ausgeschilderten Strecke machen kann.

Am Ufer direkt hat man einen wunderschönen Blick hinüber zur Insel Mainau.



Es laden auch immer mal wieder kleine Parks und Cafés zum Erholen ein. 
Zum Baden war der Bodensee natürlich noch zu kalt. Aber trotzdem gab es Badegäste... Sandbadegäste... :-)




Oh! .... Pardon!
Unglaublich! Ist es vielleicht möglich, dass hier etwas auf meine Intimsphäre Rücksicht genommen wird!?
Aber natürlich, ich höre auf zu fotografieren.... Entschuldigung!





Als Fazit kann ich nur sagen: besucht Unteruhldingen und die Pfahlbauten, wenn ihr die Möglichkeit habt, am Bodensee zu sein! Es ist ein Erlebnis! Sowohl das Museum selbst, als auch die Zeitreise durch den Ort!
Und wer sich mehr für Tiere interessiert: ein Reptilienhaus gibt es auch!










Kommentare:

  1. Schöner, langer interessanter Bericht von einer ungewöhnlichen Stätte - mit nettem Finale :-)

    Liebe Grüße!

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    1. Der nächste Bericht wird kürzer.. ;-)
      Es gibt nur soviel zu erzählen über die Pfahlbauten, da weiß ich nie, was ich weglassen soll... :-)
      LG Calendula

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  2. Hallo Calendula :)

    von den Pfahlbauten hatte ich schon vorher gehört, mich bisher aber nicht wirklich intensiver mit befasst - so kam ich durch den Besuch auf Deinem blog nun dazu :)

    Der kleine (Sand)Badegast schaut ja aber auch wirklich sehr empört *lach* da hast Du sicher gleich die Flucht ergriffen *lach*

    Schöner Beitrag :)

    Lieben Gruß
    Björn :)

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    1. Die Pfahlbauten wären was für dich! Man kann dort auch alle möglichen Gerätschaften anschauen, die die Leute damals hatten. :-)
      Der Vogel war schon witzig: hat plötzlich aufgehört sich im Sand zu suhlen und hat mich angeschaut. Oh,oh,oh! :-)
      LG Calendula

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  3. Vielen Dank für diesen tollen Bericht...ich merke schon, der Bodensee ist offenbar ein Ziel, was ich unbedingt ansteuern sollte...LG Lotta.

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    1. Es ist schon eine weite Strecke von euch da oben. Aber lohnenswert auf jeden Fall!
      LG Calendula

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  4. Wow, das ist toll! Da kann ich als Nordlicht einen schönen virtuellen Pfahlbautenbesuch machen;-)

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    1. So hatte ich das gedacht! :-)
      Es ist wirklich interessant, wie das Leben zur Steinzeit ausgesehen hat.
      LG Calendula

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  5. Klasse, Calendula!
    Die Pfahlbauten habe ich bislang leider nie geschafft wenn wir dort waren, aber das müssen wir nachholen. Dein Bericht war richtig spannend zu lesen. Solche Orte, wo man eine Reise durch die Zeit machen kann, finde ich immer wieder sehr beeindruckend.

    Und der kleine Sandbadegast ist ja wirklich allerliebst... ☺

    Liebe Grüße
    Sonja

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    1. Wir waren ganz früher mal mit der Schule dort (ich rechne jetzt lieber nicht aus, wie lange das her ist!). Und lange Zeit hatte ich keine Gelegenheit mal wieder hinzugehen. Aber inzwischen ist das ein Programmpunkt des Bodenseeurlaubs, der ist einfach ein MUSS. Auch wenn man zu verschiedenen Zeiten Führungen mitmacht, wird man immer wieder in andere Häuser geführt und bekommt andere Dinge erzählt. Einfach spannend.
      LG Calendula

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  6. Again a nice trip with you in Bodensee.
    Hugs

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  7. Liebe Calendula,
    danke fürs Zeigen und die tolle Beschreibung.
    Ich bekomme direkt Lust, mit das alles auch noch
    einmal anzuschauen.
    Einen schönen Abend wünscht dir
    Irmi

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    1. Die Pfahlbauten sind immer wieder interessant. Zumal ich bisher bei keiner Führung dasselbe erzählt bekommen habe. Die ändern auch immer mal wieder das "Motto".
      LG Calendula

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  8. Vielen Dank für den spannenden Bericht und die Tollen Foto's.
    Der kleine schaut wirklich total empört - super eingefangen

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    1. Danke, Nathalie. Diese Museum ist lebendige Geschichte und zu jeder Jahreszeit ein Besuch wert.
      Der Vogel war wirklich witzig. :-)
      LG Calendula

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  9. Das wirkt ja wirklich wie eine eigene kleine Welt die Pfahlbauten, sehr interessant wieder einmal deine Eindrücke.
    Und mit dem kleinen Sandbadenden kann ich heute auch gut einschlafen :)
    Diese Paparazzi aber auch immer ;)
    Päuschengrüße!

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    1. Na, ja, ich dachte, ich kann dich nicht wieder mit einer Moritat ins "Bett schicken". ;-)
      LG Calendula

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  10. Bohhh ist dein Post interessant und schön.
    Danke für die tollen Infos und fürs zeigen
    liebe Grüße von Sylvia

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    1. Danke liebe Tibi & Frauchen! Bei den Pfahlbauten gerate ich immer ins Schwärmen! Es ist aber auch wirklich lohnenswert!
      LG Calendula

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  11. Liebe Calendula,
    vielen Dank für diesen wunderbaren und ausführlichen Post von den Pfahlbauten ...es hat mich für einen kurzen Moment in meinen letzten Urlaub da zurückversetzt, denn da hab ich sie auch besucht :O)
    Ich wünsch Dir einen schönen und glücklichen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße,Claudia ♥

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    1. Oh, das freut mich. Wenn ich jetzt so nach und nach die Bilder und Texte "aufbereite", bekomme ich Lust, einfach wieder hinzufahren.
      Ich wünsche dir auch einen schönen und glücklichen Tag!
      LG Calendula

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  12. :D Wieder was neues von den sprechenden Vögeln!! Klasse!
    Danke für die ganzen tollen Infos und Bilder zu den Pfahlbauten. Ich finde es unglaublich, wie viel Arbeit und Zeit du immer dafür investierst!
    Wünsche dir noch einen tollen Tag!
    Jola

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    1. Danke, Jola. Es macht mir Spaß zu recherchieren, und am Besten schreibe ich es dann auf. :-)
      LG Calendula

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  13. Ach ja da war es schön im letzten Jahr im Frühjahr bei superschönem Wetter haben wir dort zwei Wochen ganz tollen Urlaub verbracht.Danke für Deine schönen Bilder.
    Liebe Grüße Christa

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    1. Zwei Wochen ist klasse! Soviel Zeit hatte ich leider nicht, aber es ist ja nicht so weit weg.
      LG Calendula

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  14. It's a fascinating place. It's interesting how modern some of the houses and jewels look. I love the photos of the grumpy bird!

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    1. There are also pots and dishes with ornaments and paintings, which are really fascinating!

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  15. Danke für diesen schönen Bericht, ich bekomme Fernweh :) :) :)
    Ganz liebe Grüsse Babs

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    1. Es geht mir auch so, wenn ich nur die Bilder wieder anschaue, die ich gemacht habe. :-)
      LG Calendula

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  16. Da hast du mich aber neugierig gemacht mit deinem ausführlichem Bericht! Diese Pfahlbauten erinnern mich irgendwie an die Karibik... Da sind die Häuser auch so ans / ins Wasser gebaut. Ich liebe das Wasser und das Meer. So würde ich gerne wohnen!

    Liebe Grüße,
    Annika

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    1. Der Vergleich mit der Karibik ist gut! Denn die Art und Weise, wie Pfahlbauten am Wasser gebaut werden, ist scheinbar in verschiedenen Kulturen bekannt - und wird je nach Gegend heute auch noch angewendet.
      LG Calendula

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  17. Ein toller Bericht, liebe Calendula, über diese Pfahlbauten im Bodensee. Es ist schon beeindruckend, mit welch einfachen Mitteln früher und ja auch in manchen Ländern heute noch, solche Pfahlbauten entstehen.
    Toll, dass sich ein Verein zur Aufgabe gemacht hat, dies für die Nachwelt lebendig zu erhalten.

    Danke dir für diese interessante Führung hier auf deinem Blog. :-)

    Liebe Grüße
    Christa

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    1. Interessanterweise haben Arbeiter aus dem Museum zusammen mit "Der Sendung mit der Maus" so ein Haus allein mit den Methoden und Werkzeugen der Steinzeit aufgebaut! Nur schon die Frage, wie haben sie die Pfähle in den Seeboden hineinbekommen, war für mich nicht vorstellbar.
      LG Calendula

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  18. Hallo Calendula,
    ist wunderschön, kennen wir auch. Ich müsste mir noch einmal auf der Zunge zergehen lassen, wie Dein Bericht aufbereitet ist. Dein Post wechselt wunderschön ab zwischen Text, Erklärungen und Bildern. Liest sich sehr schön.

    Gruß Dieter

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    1. Danke, Dieter! Ich persönlich finde es immer interessant bei anderen über Dinge zu lesen, die man selbst kennt. Es eröffnet einem eine andere Perspektive!
      LG Calendula

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